Haruki Murakami – Die Pilgerjahre des Farblosen Herrn Tazaki

tazaki
Eine Reise in die Vergangenheit

Tsukuru Tazaki ist Mitte 30, und hat bis auf sein Interesse für Bahnhöfe und Franz Listzs „Le Mal du Pais“ keine besonderen Leidenschaften oder Charaktereigenschaften aufzuweisen. Es mangelt ihm an Selbstbewusstsein, er fühlt sich farblos und langweilig. Eines Tages lernt er die schöne Sara kennen, welche den Grund für seine Unzufriedenheit erkennt: Tsukuru wurde während des Studiums von seinen besten Freunden verstoßen – es schien einen Vorfall gegeben zu haben, über den er bis heute nichts weiß. Damit seine Beziehung zu Sara eine Chance hat, macht er sich auf, seine alten Freunde zu suchen um die Wahrheit über das herauszufinden, was damals geschah.

Die Pilgerjahre des Farblosen Herrn Tazaki erzählt von der Einsamkeit, von Freundschaft und Verlust – davon, wie schnell und lautlos einem das Liebste auf der Welt entgleiten kann. Dies geschieht allerdings ohne Kitsch und übertriebene Emotionen, sondern auf eine sehr stille Art. Die Poesie Murakamis liegt nicht in der Opulenz und im Bombast, sondern in der Klarheit seiner Sprache.
Tsukuru Tazaki ist von schlichtem Gemüt, wahrlich kein Held, aber das ist es, was ihn so sympathisch macht. Er verkörpert unsere Angst davor, nicht besonders, nicht gut genug zu sein, von anderen abgelehnt zu werden. In jedem von uns steckt ein wenig von Tsukuru.

Stille Wasser sind tief

Für mich ist dies ein großartiger Roman, keine Frage. Dennoch würde ich ihn nicht als monumentales Werk bezeichnen, wie es der Klappentext macht. Ein solches ist für mich Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt. Die Pilgerjahre des Farblosen Herrn Tazaki ist wie eine leise, unaufdringliche Melodie, die eine ganz andere Seite des herausragenden Autors zeigt.

4sterne

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7 Gedanken zu “Haruki Murakami – Die Pilgerjahre des Farblosen Herrn Tazaki

  1. Ich war früher ganz großer Murakami-Fan, aber seit After Dark kann ich mit seinen Werken leider nichts mehr so richtig anfangen. Hard-Boiled Wonderland, die Schafsromane und Naokos Lächeln sind seine besten… finde ich 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Neuerscheinungen im Juli | letusreadsomebooks

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