Neal Stephenson – Quicksilver

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Europa im Umbruch

Daniel Waterhouse, ein Querdenker und Puritaner, strebt mit seinem Studienfreund Isaac Newton und weiteren Freunden nach neuen Erkenntnissen und Wissenschaft, während sich Europa im 16./17. Jahrhundert im Umbruch befindet. Der Londoner Gassenjunge Jack Shaftoe, ein Abenteurer und Glücksritter, der an der Syphilis erkrankt ist, befreit während der Belagerung Wiens durch die Osmanen die junge Elizia aus einem Harem. Die drei begegnen sich in politisch unsicheren Zeiten immer wieder und gestalten diese unruhige Zeit in Europa mit…

Neal Stephensons historischer Roman Quicksilver ist schwer zu beschreiben und vermutlich sehr polarisierend. Bis ins kleinste Detail schildert der Autor die neuen wissenschaftlichen Erfindungen und philosophischen Gedanken, die in der beschriebenen Epoche des Barocks aufkommen. Wem diese teilweise seitenlangen Beschreibungen, zum Beispiel zum englischen Münzwesen, zu lang oder langweilig sind, der sollte einen weiten Bogen um diesen Roman machen. Wer sich aber genau für diese Epoche und die eintretenden Neuerungen, die sich sowohl auf der wissenschaftlichen als auch auf der politischen Ebene abspielen, interessiert und sich gerne durch genaue Darstellungen liest, für den ist Quicksilver vermutlich ein kleiner Goldschatz. Dem Autor gelingt es, die Handlungsstränge sehr unterschiedlich und sprachlich gekonnt zu gestalten. Die Geschichte um Daniel Waterhouse ist geprägt von der Suche nach neuen Entdeckungen und Wissenschaft, wobei Stephenson hier auch Fachvokabular benutzt, das nicht immer einfach und verständlich ist. Auf der anderen Seite stehen Jack Shaftoe und Elizia, die sich nach dem Kampf um Wien auf einer Odyssee durch Europa befinden. Auch hier geht es um manche technische Neuerungen, die detailreich beschrieben und erklärt werden. Trotzdem ist die Handlung um Jack und Elizia deutlich schelmenhafter und teilweise auch humorvoll. Neben den fiktiven Gestalten treten auch viele reale Persönlichkeiten auf, wie Isaac Newton und Georg Leibniz, deren Gedanken und Entdeckungen viel Raum gegeben wird. Der Schreibstil ist abwechslungsreich und die dargestellten philosophischen und wissenschaftlichen Gedanken sind nachvollziehbar dargestellt. Trotzdem ist Vorwissen, sowohl zum geschichtlichen als auch wissenschaftlichen Hintergrund, mit Sicherheit nicht schädlich.

Aufklärung und Barock mit hohem Anspruch

Neal Stephensons Quicksilver ist ein sehr anspruchsvoller Roman, der in einer spannenden geschichtlichen Epoche angesiedelt ist. Mir hat es großen Spaß gemacht in diese Epoche einzutauchen und die beschriebenen Umbrüche und Neuerungen mitzuerleben. Dem Leser wird allerdings viel abverlangt: Lange Beschreibungen, mitunter nicht ganz einfaches Vokabular und eine Geschichte, bei dem der Leser zum mitdenken aufgefordert ist. Denn ohne die Gedanken und Darstellungen aus der beschriebenen Zeit zu hinterfragen funktioniert dieses Buch nicht. Wer sich auf den Stil und die detailreichen Beschreibungen einlässt und daran Spaß findet, ist hier genau richtig, zumal es zwei Folgeromane gibt, die auch jeweils um die 1000 Seiten stark sind.

4,5sterne

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