Marie-Sabine Roger – Das Labyrinth der Wörter

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Forrest Gump auf Französisch

Germain ist Mitte 40, hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und lebt in einem Wohnwagen. Er ist bei weitem nicht die hellste Kerze auf der Torte und bekommt dies tagtäglich von den Leuten in seinem Umfeld zu spüren. Er liebt es, im Park die Tauben zu zählen, zu schnitzen und seinen Gemüsegarten zu pflegen. Ein Buch hingegen hat er noch nie freiwillig in die Hand genommen. Das ändert sich jedoch, als er auf der Parkbank der alten Dame Margueritte begegnet. Auch wenn sie und Germain nicht unterschiedlicher sein könnten, entdecken sie doch nach und nach mehr Gemeinsamkeiten. Und als Margueritte beginnt, ihrem neuen Freund Bücher vorzulesen, verändert sich Germains Welt von Grund auf.

Marie-Sabine Roger hat einen unterhaltsamen Roman geschaffen, der von der Grundidee her ein bisschen an Forrest Gump erinnert. Der große, starke und dümmliche Germain, über den man sich oft lustig macht, lässt einen unwillkürlich an Tom Hanks denken. Tatsächlich ist Germain jedoch gar nicht so doof wie es scheint – seine verkorkste Bildung hat er vor allen Dingen seiner Mutter zu verdanken, die sich nie um ihn gekümmert hat, sowie seinen Lehrern, die schlichtweg keine Lust hatten, jemandem unter die Arme zu greifen, der ein bisschen schwer von Begriff ist. Durch seine Gespräche mit Margueritte wird Germain immer mehr zum Nachdenken angeregt, über die einfachsten und alltäglichen Dinge, was dazu führt, dass er die Welt langsam mit anderen Augen sieht.

Die Freundschaft zwischen Germain und Margueritte ist wirklich zauberhaft. Sie liest ihm vor und schenkt ihm Bücher, er schnitzt ihr dafür Figuren und begleitet sie, wenn sie ein bisschen wackeliger auf den Beinen ist. Germain hatte nie wirklich viel mit seiner Großmutter zu tun, sodass Margueritte diese bald ersetzt. Und die alte Dame ist ihr Leben lang kinderlos geblieben, wodurch sie in dem jungen Hünen irgendwann einen Sohn zu sehen scheint. Der Charme der Geschichte ist wie auch bei Rogers Roman Das Leben ist ein listiger Kater sehr typisch französisch, was die Witze angeht, konnte Das Labyrinth der Wörter jedoch nicht mithalten. Einige Stellen im Buch sollten den Leser zum lachen oder schmunzeln bringen, bei mir hat sich allerdings kein Mundwinkel verzogen – leider.

Ein netter Roman über Freundschaft und die Macht der Worte

Mit Das Labyrinth der Wörter ist Marie-Sabine Roger ein lesenswerter Roman über zwei außergewöhnliche Hauptcharaktere und ihre Beziehung gelungen. Was den Humor betrifft, bin ich leider nicht wirklich auf meine Kosten gekommen – da hätte ich mir von der Autorin viel mehr versprochen. Ich glaube, sie hätte die tolle Story aber noch ein bisschen besser umsetzen können.

3,5sterne

Das Labyrinth der Wörter wurde in Frankreich übrigens auch mir Gérard Depardieu und Gisèle Casadesus verfilmt.

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3 Gedanken zu “Marie-Sabine Roger – Das Labyrinth der Wörter

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