Gabriel García Márquez – Laubsturm

index

Ein mysteriöser Fremder lässt sich nieder

Mitten im südamerikanischen Urwald liegt das kleine aber beschauliche Dorf Macondo. Nachdem der „Laubsturm“ in Form des Bürgerkrieges und des Bananenbooms darüber hinweggefegt ist, kehren die Bewohner zu ihrem einfachen Leben zurück. Die Ruhe wird jäh gestört, als sich ein Arzt das Leben nimmt. Dieser kam vor Jahren als mysteriöser gras-fressender Fremder nach Macondo und fand bei Oberst Buendía und dessen Familie Obhut. Der Oberst ist der einzige, der dem Toten ein anständiges Begräbnis bieten möchte – zum Missfallen der gesamten Dorfgemeinschaft.

Laubsturm lässt sich nicht so leicht zusammenfassen, obwohl es eine eher schlichte Geschichte ohne große Höhe- oder Wendepunkte ist. Das liegt vor allem daran, dass das Buch mit den Begräbnisvorbereitungen für den Arzt beginnt. Am Anfang wissen wir nur, dass sich Oberst Buendía damit gegen den Rest des Dorfs stellt. Erst nach und nach geben Rückblenden Aufschluss darüber, wer der Arzt eigentlich war, wie er nach Macondo kam und besonders darüber, warum ihn niemand leiden konnte. Obwohl es ein eher stiller Roman ist, bleibt er bis zur letzten Seite spannend, da man unbedingt herausfinden möchte, was in diesem Dorf vorgefallen ist.

Die gesamte Handlung inklusive Rückblenden wird von drei Unterschiedlichen Personen der Familie Buendía erzählt: Vom alten Oberst, seiner Tochter Isabel und deren neunjährigem Sohn. Eigentlich mag ich diese wechselnde Erzählperspektive sehr, hier hatte ich allerdings das Problem, dass ich manchmal nicht wusste, wer denn nun gerade erzählt. An einigen Stellen war ich nicht sicher, um wen es jetzt gerade ging. Hinzu kommt, dass manche Szenen der Geschichte doppelt oder dreifach geschildert werden, wie z.B. die Anfangsszene, als der Oberst mit einigen Helfern den Leichnam in einen Sarg verfrachtet. Diese wenigen Minuten erleben wir aus der Sicht aller drei Protagonisten, wodurch sich viele Beschreibungen wiederholen und nur in wenigen Details unterscheiden.

Laubsturm ist García Márquez erster Roman, den er im zarten Alter von 19 Jahren schrieb. Sprachlich steht er den „großen“ Werken des Schriftstellers jedoch in nichts nach. Auch der junge Gabriel wusste sich auszudrücken und wunderbare Geschichten zu spinnen. Ganz so einlullen wie seine anderen Romane konnte mich dieses Büchlein aber leider nicht, auch wenn ich jede Minute, die ich im Dorf verbrachte, genossen habe. Das Dorf Macondo und die Familie Buendía dürften den Meisten übrigens keine Fremden sein: Sie finden sich auch in Hundert Jahre Einsamkeit wieder.

Der Grundstein für García Márquez erfolgreichste Romane

Gabriel García Márquez Erstlingswerk Laubsturm erzählt die interessante Geschichte eines Fremden, der nach Macondo kommt. Idee und Sprache des Buches überzeugen auf ganzer Linie, einzig der Perspektivwechsel verwirrt zwischendurch ein wenig. Dennoch bildet dieser kurze Roman ein tolles und vielversprechendes Fundament für die Bücher, die noch darauf folgen sollten.

4sterne

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s