Eleanor Catton – Die Gestirne

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©Randomhouse

Eine kleine Stadt in Neuseeland

Neuseeland zur Zeit des Goldrausches. Im Jahr 1866 gelangt der Schotte Walter Moody nach langer Überfahrt nach Hokitika, wo er nach Gold suchen will. Im Raucherzimmer seines Hotels trifft er auf eine ungewöhnliche Gesellschaft. Zwölf Männer rätseln über eine Reihe ungelöster Verbrechen: Einer der reichsten Männer Hokitikas wird vermisst, eine opiumsüchtige Prostituierte hat versucht, Selbstmord zu begehen und im Haus eines Alkoholsüchtigen Mannes wurde eine große Menge Geld entdeckt. Nach und nach erfährt Moody immer mehr über die Zusammenhänge und wird in ein Geheimnis hineingezogen.

Für ihren Roman Die Gestirne erhielt Eleanor Catton im Jahr 2013, im Alter von 28 Jahren als jüngste Autorin aller Zeiten, den Booker Prize. Den Einstieg in den Roman fand ich sehr gelungen. Sofort entsteht Spannung und ich wollte mehr über die Vorfälle in Hokitika herausfinden. Gemeinsam mit Walter Moody erfährt der Leser immer mehr über die Zusammenhänge und die zwölf Männer tragen ihre jeweils eigene Sicht der Geschehnisse und ihrer Beteiligung vor. Ort der Handlung ist fast ausschließlich die kleine Stadt Hokitika. Eigentlich beginnt das Ganze also wie ein klassischer Kriminalfall. Nach diesem Spannenden Einstieg verflachte die Handlung aber für mich etwas und es kamen leichte Längen auf. Die weiteren Ereignisse werden das gesamte Buch über immer aus der Sicht von verschiedenen Personen dargestellt, wodurch der Leser unterschiedliche Ansichten und Motive der Figuren kennenlernt. Die Personen sind den Sternebildern und ihren verschieden Konstellationen und Eigenschaften nachempfunden. Alle Charaktere sind sehr menschlich gelungen und haben mit ihren Problemen zu kämpfen. Dabei gibt es immer wieder Überraschungen, denn einige haben ihre ganz eigenen Ziele, die er erst mit der Zeit deutlich werden. Eine richtige Hauptperson gibt es nicht. Dafür werden alle Figuren sehr detailliert beschrieben und mit einer eigenen durchdachten Biographie eingeführt, die ihre Handlungen nachvollziehbar macht. In der Geschichte aus Intrigen, Verrat, Lügen und scheinbar schicksalhaften Begegnungen spielen alle Figuren eine wichtige Rolle, ohne die die Geschichte nicht funktionieren würde.

Genau wie bei den Charakteren werden viele kleine Details in die Handlung eingebaut, wie die kantonesische Sprache, Informationen zu Schmerzmitteln und Waffen oder die Druckarbeiten zu der örtlichen Zeitung. Wer hier nur schnell drüber hinweg liest verpasst einiges. Ein wenig Geduld beim Lesen dieses Romans ist unbedingt vonnöten, ansonsten ist es teilweise schwer nachvollziehbar, wie die Personen miteinander zusammenhängen. Enttäuscht hat mich letztlich die Aufklärung der ganzen Vorfälle. Manches wirkte mir viel zu sehr konstruiert und andere Fragen wurden gar nicht beantwortet.

Der Stil des Romans ist passend gewählt. Sehr bildreich und dem Zeitpunkt der Handlung angepasst, fügt sich die Sprache perfekt in die Handlung ein.

 

Geduld ist durchaus gefordert

Die Gestirne hat mir insgesamt gut gefallen. Vor allem der Einstieg in das Geschehen und der Stil der Autorin haben mich schnell in ihren Bann gezogen. Leider ist der Mittelteil für meinen Geschmack zu langatmig. Gefordert ist aber auf jeden Fall eine hohe Aufmerksamkeit beim Lesen. Die vielen Charaktere und kleinen Details können sonst schnell unübersichtlich werden. Wer darauf keine Lust hat, sollte einen Bogen um das Buch machen. Wer aber eine gut geschrieben Geschichte mit spannenden Charakteren sucht, in die er sich vertiefen kann, ist hier richtig.

4sterne

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1 Kommentar zu „Eleanor Catton – Die Gestirne“

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