Hannah Kent – Das Seelenhaus

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© Droemer Verlag

Die (wahre) Geschichte einer Magd in Island

Island im Jahr 1828: Die Magd Agnes wird für den Mord an zwei Männern zum Tode verurteilt. Die ihr verbleibende Zeit soll sie auf dem Hof eines Beamten verbringen. Die Familie, die sie beherbergen muss, ist zunächst außer sich, eine Mörderin aufnehmen zu müssen. Schließlich vertraut sich Agnes einem Vikar an, der sie auf den Weg der Reue und Buße führen soll und eröffnet ihm die Geschichte ihres Lebens. Die Gespräche zwischen den beiden werden von der ganzen Familie mitangehört und vor allem die Hausherrin Margrét beginnt zu ahnen, dass die offizielle Wahrheit über Agnes nicht der Realität entspricht.

Der Einstieg in den Roman Das Seelenhaus von Hannah Kent fiel mir zunächst schwer. Agnes Magnúsdóttir ist zwar als Hauptperson gut gewählt, aber die Geschichte konnte mich zu Beginn nicht fesseln. Die Charaktere erschienen mir sperrig und nur schwer zugänglich, oder im Falle der Familientöchter langweilig. Erst mit dem Beginn der Gespräche zwischen Agnes und dem Vikar Tóti habe ich richtig in die Geschichte gefunden. Durch die Unterhaltungen kam mir Agnes als Figur näher, vorher hatte mich ihr Schicksal eher kalt gelassen. Durch ihre Erzählung wurde mir deutlich, wie sehr Agnes in ihrem Leben gelitten hat und zeigt sie als einen zutiefst menschlichen Charakter. Damit wurden auch die Umstände der Morde und ihre Beziehungen zu den getöteten Männern für mich interessanter. Gerade zum Ende hin wurde das Buch immer intensiver und die Angst von Agnes war förmlich greifbar.

Neben der auf wahren Begebenheiten beruhenden Geschichte um Agnes zeichnet die Autorin ein Bild von Island und seinen Bewohnern im 19. Jahrhundert. Der Alltag erscheint hart und ist davon geprägt, den Hof zu führen, Nahrung herbeizuschaffen sowie sich um die Tiere zu kümmern. Die Menschen erscheinen arm und abergläubisch, aber ebenso fleißig und gottesfürchtig.

Gut gefallen hat mir, dass die Autorin immer wieder die Erzählperspektive wechselt und auch Briefe und Protokolle einfügt. Die Ich-Perspektive aus Agnes Sicht bringt dem Leser die als Mörderin verurteilte Frau nahe und lässt ihn an ihrem von Schicksalsschlägen geprägten Leben teilhaben. Interessant zu lesen sind zudem die Anmerkungen der Autorin zu den historischen Ereignissen, auf denen sie ihren Roman aufbaut.

Düsterer aber empfehlenswerter Roman

Insgesamt hat mir Das Seelenhaus von Hannah Kent gut gefallen. Nach dem etwas schwierigen Einstieg konnte ich mich nach und nach in den Roman hineinfinden und war letztlich bewegt von Agnes Schicksal, einer Frau, die auf der einen Seite sehr stark ist und auf der anderen Seite wieder sehr verletzlich wirkt. Gerade zum Ende wurde der Roman sehr emotional und spannend. Insgesamt eine düstere Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht und mit einer detailliert beschriebenen Hauptfigur überzeugen kann.

 

4sterne

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