Juan Gabriel Vásquez – Das Geräusch der Dinge beim Fallen

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© Schöffling & Co

Der Drogenkrieg in Kolumbien

Bogotá im Sommer 2009: In der Zeitung liest der Jura Professor Antonio Yammara, dass ein Nilpferd aus dem ehemaligen Privatzoo des Drogenkönigs Pablo Escobar entflohen ist. Diese Nachricht erinnert ihn an die Zeit, als der Alltag vom Kampf zwischen dem Medellín Kartell und den Regierungstruppen geprägt war. Er selbst hat hautnah erlebt, wie ein Freund ermordet wurde. Auch Jahre später wird er immer noch von den Erinnerungen verfolgt. Er beginnt Nachforschungen zu dem Mord und stellt fest, dass nicht nur sein Leben, sondern auch das seines Freundes von der gewaltsamen Vergangenheit des Landes geprägt wurde.

In seinem Roman Das Geräusch der Dinge beim Fallen wendet sich Juan Gabriel Vásquez der jüngsten Geschichte seines Landes zu. Die beiden Hauptfiguren lernen sich in einem Billardsalon in Bogotá kennen. Zunächst erscheinen sie sehr unterschiedlich. Auf der einen Seite der schweigsame, mysteriös wirkende Ricardo Laverde, der sich erst langsam seinem neuen Freund öffnet und auf der anderen Seite der junge Professor Yammara. Über allem schwebt der ehemalige Drogenkönig Escobar, der indirekt porträtiert wird und beim Lesen für mich zu einer Art übermächtigen Figur wurde. Die größte Stärke des Romans liegt darin, wie es dem Autor gelingt, zu zeigen wie der Drogenkrieg und die damit verbundenen Auswirkungen seine Opfer verändern. Aber nicht nur seine Opfer, sondern auch die Familienangehörigen leiden unter den Folgen der Gewalt, die sich direkt im Leiden der betroffenen Menschen zeigt. Diese Folgen werden vor allem an Antonio Yammara deutlich, der nach dem Anschlag mit Panikattacken zu kämpfen hat und dessen Familie langsam auseinanderbricht. Mit Yammara hat der Autor eine Person geschaffen, mit der er einige äußere Gemeinsamkeiten hat: Beide studierten Jura in Bogotá, spielen mit großer Leidenschaft Billard und, im Zusammenhang mit dem Roman vermutlich am wichtigsten, beide gehören der Genration Kolumbiens an, die durch den Drogenkrieg gezeichnet wurde. Neben den Charakteren und den beschriebenen Auswirkungen der Gewalt, hat mir aber auch die Geschichte, die erzählt wird aufgrund ihrer Spannung sehr gut gefallen. Die Lebensgeschichten der beiden Protagonisten, vor allem die von Ricardo Laverde, haben mich gefesselt und ich wollte wissen, warum das Leben von Laverde so tragisch verlaufen ist. Obwohl manche Geschehnisse durchaus dramatisch sind, wirkt es nicht kitschig, was auch an dem wunderbaren Stil des Autors liegt, der sehr bildhaft ist und die Gefühle und Stimmungen der Figuren eindrucksvoll und abwechslungsreich beschreibt.

Eindrucksvolles Zeugnis einer von Gewalt geprägten Generation

Juan Gabriel Vásquez widmet sich in seinem Roman einem schwierigen Thema der jüngsten kolumbianischen Geschichte: Den Auswirkungen der Gewalt des Drogenkrieges auf die Menschen. Die Art und Weise wie der Autor sich diesem Thema nähert und es beschreibt hat mir sehr gut gefallen. Neben den eindrucksvollen Beschreibungen der Gefühle und Psyche der Personen ist das Buch zudem sehr spannend und wunderbar geschrieben.

4,5sterne

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