Ulf Schiewe – Bucht der Schmuggler

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© Droemer Knaur Verlag

Vom Schmuggel in der Karibik

Im Jahr 1635 tobt in Europa der Dreißigjährige Krieg, während in den spanischen Kolonien der Schwarzhandel blüht. Der neue Gouverneur von Hispaniola setzt alles daran, den Schmuggel zu unterbinden, weshalb Dona Maria um das Leben ihres Mannes fürchten muss, einem reichen Pflanzer und heimlichen Drahtzieher des verbotenen Handels. Gleichzeitig verliert in Bremen der junge Handelsherr Jan van Hagen sein Familienerbe und muss flüchten. So nimmt er Kurs auf Westindien um das Vermögen der Familie wiederherzustellen.

Das neue Buch von Ulf Schiewe, Bucht der Schmuggler, ist im Knaur Verlag bereits als eSerie mit dem Titel Gold des Südens erschienen. Der Roman ist ein unterhaltsamer Abenteuerroman, der sich leicht und schnell lesen lässt. Nachdem in den einführenden Kapiteln, in denen die wichtigsten Personen vorgestellt werden, die Handlung noch kurz in Europa spielt, liegt der Fokus danach vor allem auf der Karibik und dem dort stattfindenden Schwarzhandel. Da es nur zwei Hauptprotagonisten gibt, Dona Carmen und Jan van Hagen, ist die Handlung sehr übersichtlich. Generell sind die Personen schwarz weiß gezeichnet und kommen einem beim Lesen bekannt vor. Es gibt den jungen Kapitän, der ohne eigene Schuld seine Heimat verlassen muss um sein Glück in der neuen Welt zu suchen. Die schöne Grundbesitzerin, die sich für ihre schwarzen Sklaven einsetzt und gänzlich anders ist als die übrigen Frauen der Insel. Den gierigen Gouverneur und Plantagenbesitzer, der skrupellos und egoistisch handelt um seine Macht zu vergrößern und für den das Leben der Sklaven keine Bedeutung hat. Natürlich fehlen auch nicht die Passagiere an Bord, deren wahren Beweggründe erst langsam ans Licht kommen. Leider geraten einige der Figuren doch sehr oberflächlich, was vor allem bei Jan von Hagen als wichtiger Protagonist schade ist. So gelingt es nicht, ihn während der Handlung richtig weiterzuentwickeln, er bleibt für meinen Geschmack die ganze Zeit über zu gut und naiv, so dass er nach der Lektüre nicht wirklich in Erinnerung bleibt. Dass viele Klischeehafte Figuren vorkommen hat mich aber nicht weiter gestört, da das Abenteuer fast durchgehend spannend geschrieben ist und mich beim Lesen gut unterhalten hat. Was mich viel mehr gestört hat, war dass mir die Atmosphäre gefehlt hat. So entsteht kein richtiges Bild der Karibik und auch die Überfahrt, zwar mit vielen Details zur Seefahrt beschrieben, geht doch relativ schnell und hinterlässt keinen bleibenden Eindruck. Ein weiterer Kritikpunkt ist das (leider vorhersehbare) Ende, das mich zu sehr an einen Groschenroman erinnert hat, aber dafür viele Türen offen lässt für eine Fortsetzung.

Auf sprachlicher Ebene lässt sich das Buch schnell und leicht lesen. Gefallen hat mir, dass der Autor die Schiffsbesatzung mit norddeutschem Dialekt sprechen lässt und so für mehr Authentizität und Stimmung sorgt.

Nie hatte das Rauschen der Wellen sich so gut angehört, das Salz auf den Lippen besser geschmeckt oder der frische Wind in den Haaren so herrlich befreiend gewirkt wie in diesem Augenblick.

Spannend, aber oft zu oberflächlich

Grundsätzlich gefallen mir die Mittelalterromane (zum Beispiel Die Hure Babylon) des Autors besser. Im vorliegenden Roman fehlen mir die Überraschungsmomente und Charaktere, die eben nicht nur gut und böse dargestellt werden. Leider gerät auch die Beschreibung der Atmosphäre des Öfteren zu oberflächlich, weshalb keine richtige Abenteuer- und Karibikstimmung aufkommen will. Dennoch ist die Handlung spannend und der Roman gut geschrieben, weshalb das Buch trotz aller Kritik immer noch sehr unterhaltsam zu lesen ist. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

 

3sterne

 

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