Castle Freeman – Männer mit Erfahrung

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© Carl Hanser Verlag

Von einer starken Frau

Lilian wohnt noch nicht sehr lange in einem kleinen Dorf in Vermont, als sie von Blackway, einem bekannten Gangster, bedroht wird. Eines Morgens findet sie ihre Katze tot vor ihrer Tür und ist sie davon überzeugt, dass Blackway der Täter ist. Doch der Sherriff kann und will ihr nicht helfen, da niemand die Tat beobachtet hat. Der Sherriff rät ihr, sich an eine Gruppe von Männern zu wenden, die sich jeden Tag in einer alten Sägerei treffen. Nachdem Lilian sie mit ihrer Sturheit beeindruckt hat, geben sie ihr zwei Männer mit um nach Blackway zu suchen: den alten Lester und den etwas beschränkten Nate the Great.

Der Roman Männer mit Erfahrung des amerikanischen Schriftstellers Castle Freeman ist eine Art Thriller und moderner Western. Letztlich ist es eine Geschichte über eine starke und sture Frau, die mithilfe von zwei Männern das Recht in die eigene Hand nimmt, nachdem sich sonst niemand traut, ihr zu helfen. Der Ort, in dem die Handlung spielt, wirkt sehr trostlos und hart. Die Holzwirtschaft ist zusammengebrochen und was bleibt, sind Perspektivlosigkeit, Verfall, Drogen und Korruption. Und Blackway ist eben einer, der genau davon profitiert, weil sich keiner traut, sich ihm entgegen zu stellen. Doch diesmal, da sind sich die alten Männer in der stillgelegten Fabrik einig, hat er sich mit Lilian das falsche Opfer ausgesucht. Die Handlung läuft in zwei parallelen Strängen ab, die zunächst sehr entgegengesetzt wirken. Auf der einen Seite Lilian, die Blackway sucht und durch die karge Landschaft zieht und auf der anderen Seite die Männer in der Fabrik, deren Alltag darin besteht, Bier zu trinken und sich in skurrilen Gesprächen über ihre Heimat und Lilian austauschen. Mir hat es sehr gut gefallen, dass diese Dialoge die eigentlich düstere und gewalttätige Handlung auflockern und mir als Leser den Hintergrund zu der Gegend, Personen und Geschichte des Ortes liefern. Dabei schwingt auch immer die lakonische Lebensweisheit der Männer mit, wobei lakonisch hier noch untertrieben ist. Aber auch die Jagd nach Blackway ist mit ihrer hohen Spannung sehr gut. Dabei sind Lilian und die ihre beiden Begleiter völlig unterschiedlich, was ihre Odyssee mitunter auch amüsant gestaltet. Doch hier überwiegen eindeutig die gewaltsamen Momente. Denn die Suche nach Blackway läuft nicht gerade friedlich ab. Dabei kommen sie an einige seltsame Orte, wie etwa eine ehemalige Werkstatt, die mittlerweile zu einer Kneipe und einem Bordell umfunktioniert wurde:

Schlicht und effizient, eine Stätte der Herstellung und Wartung von Säufern.

Ebenso skurril wie die Dialoge in der Fabrik ist die Gruppe um Lilian. Sie selbst erscheint als starke Frau, die weiß, was sie will, allerdings ist sie auf ihrer Suche nach Selbstjustiz nicht unbedingt sympathisch. Der alte Lester, der zur Sicherheit eine schwere Waffe mit auf die Suche nimmt, ergeht sich in ständigen Andeutungen und Bemerkungen, die Lilian nicht wirklich weiterhelfen. Denn wie soll ein alter Mann wie Lester den gefürchteten Blackway besiegen können? Und schließlich Nate the Great, der eher noch ein Junge ist, aber über die Kraft eines Bären zu verfügen scheint und mir sehr sympathisch war. Etwas beschränkt, aber immer positiv und furchtlos.

Kurz und gut

Das Buch Männer mit Erfahrung hat mir mit seinen skurrilen Dialogen und Charakteren ausgesprochen gut gefallen. Vor allem der Wechsel zwischen der Jagd und den Dialogen lockert die düstere Handlung um Lilians Selbstjustiz auf. In den Dialogen kommen die humorvollen Momente und die Lebensweisheiten der Alten nicht zu kurz, so dass der Roman mit knapp 170 Seiten zwar kurz ausfällt, aber dafür absolut lesenswert ist.

4sterne

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