Milan Kundera – Das Fest der Bedeutungslosigkeit

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© Carl Hanser Verlag

Vier ältere Männer in Paris

Vier alte Männer, alle miteinander befreundet, streifen durch Paris, sinnieren über das Leben und treffen in unterschiedlichen Zusammensetzungen aufeinander. Alain, von seiner Mutter als Kind verlassen, betrachtet die Bauchnabel von jungen Frauen und entwickelt Theorien, was die Erotisierung des Bauchnabels für eine Gesellschaft bedeutet. Ramon möchte gerne die Chagall-Ausstellung sehen, kehrt aber beim Anblick der Menschenschlange von Besuchern immer wieder um. Charles unterhält seine Freunde mit Anekdoten über Stalin und dessen Witze, über die niemand lachen konnte. Caliban, ein arbeitsloser Schauspieler, spielt auf Empfängen einen Diener und erfindet zu seiner eigenen Unterhaltung eine eigene Sprache, die er als Pakistanisch bezeichnet.

Die Handlung von Milan Kunderas erstem Roman seit 14 Jahren, Das Fest der Bedeutungslosigkeit, ist eigentlich kaum der Rede wert.  Auch wenn der Roman knapp 140 Seiten umfasst, ist er so großzügig gedruckt, dass es ohne Probleme möglich ist, ihn in sehr kurzer Zeit zu lesen. Die vier Männer flanieren durch den Jardin du Luxembourg oder am Seineufer und hängen ihren Gedanken nach, wenn sie sich nicht gerade mit ihren Freunden unterhalten. Einen roten Faden oder mehr Hintergrundinformationen sucht man vergebens.

„Menschen begegnen sich im Leben, plaudern, diskutieren, streiten miteinander, ohne sich bewusst zu machen, dass sie aus großer Entfernung miteinander sprechen, jeder von einem Beobachtungsposten aus, der an einem anderen Ort in der Zeit steht.“

Durch die Kürze des Buches ist mir auch keine Figur oder ihr Schicksal nahe gegangen. Manche ihrer Unterhaltungen, wie etwa die komisch anmutenden Anekdoten zu Josef Stalin, sind immerhin ganz unterhaltsam und amüsant. Andere, wie Alains Gedanken über die Bauchnabel der jungen Frauen, waren mir eher suspekt. Zum Glück gibt es im weiteren Verlauf des Buches eine Auflösung, warum Alain dem Nabel so viel Bedeutung zumisst und seine erotische Anziehungskraft über die der Brüste, des Pos und der Schenkel stellt. Grundsätzlich schwingt in den Gedanken und Gesprächen der Figuren eine Melancholie mit, die darin gipfelt, dass Ramon die Bedeutungslosigkeit als „Essenz der Existenz“ ansieht und sie zum „Schlüssel zur Weisheit“ erhebt. Mir persönlich ist das eine viel zu pessimistische Sicht auf das Leben, gerade aus dem Mund von alten Männern.

Viel spannender als die philosophischen Gedanken und Unterhaltungen, fand ich die Art des Erzählens, die Milan Kundera hier gewählt hat. Er bricht mit einigen Konventionen und gibt sich selbst an wenigen Stellen sehr direkt als Autor zu erkennen:

Ich wiederhole mich? Ich beginne das Kapitel mit denselben Worten, die ich ganz am Anfang des Romans benutzt habe? Ich weiß.

Der Verlust der Leichtigkeit

War ich vor einigen Jahren noch von der Lektüre Die Unerträgliche Leichtigkeit des Seins sehr fasziniert, kann ich Milan Kundera in seinem neuen Roman nur sehr schwer folgen. Resignation oder nur heiteres Nicht-ernst-nehmen gegenüber dem Leben ist keine Einstellung die ich teile. Von daher ist Milan Kunderas Spätwerk für mich leider eine Enttäuschung.

2sterne

 

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