Marissa Meyer – Wie Monde so silbern

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Cyborg-Cinderella – das etwas andere Märchen

Cinder ist ein Cyborg und die beste Mechanikerin in Neu-Peking. Sie lebt seit dem Tod ihres Stiefvaters mit ihrer Stiefmutter und den beiden Stiefschwestern Peony und Pearl zusammen. Ihre Stiefmutter schikaniert Cinder wo sie nur kann, erst recht, nachdem sich Peony mit der gefährlichen Blauen Pest infiziert. Doch die Plage ist nicht das Einzige, was Neu-Peking und die restliche Erde bedroht: Königin Levana, die Anführerin der Lunar, reist an, um die Friedensverhandlungen zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Und ausgerechnet Prinz Kaito bittet Cinder um Hilfe bei der Reparatur seines Androids. Ist die Plage aufzuhalten? Welche Geheimnisse verbirgt Prinz Kai? Und ist Königin Levana wirklich in Frieden gekommen?

„Sunto, come here! I told you not to play so close to – “
Sacha met Cinder’s gaze, knotted her lips, then grabbed her son by the arm and spun away. Cinder wrinkled her nose at the baker’s retreating back.
„It’s not like wires are contagious,“ Cinder muttered to her empty booth.

Normalerweise bin ich kein großer Anhänger von jugendlichen Protagonisten, vor allem nicht von jungen Frauen (und das als Frau…). Aber wer kann denn widerstehen, wenn der Hauptcharakter eine Cyborg-Mechanikerin ist, die sich viel mehr für Androiden und Autos interessiert, als für schöne Kleider?!

Cinder ist anders als ich erwartet hatte. Sie lebt in einer Welt, in der sie nirgends so wirklich willkommen ist. Sie ist ein Cyborg, ein Mensch zweiter Klasse, der entweder ignoriert, gemieden oder schlecht behandelt wird. Trotzdem ist sie stark, sarkastisch und nicht auf den Mund gefallen, wird auch gerne handgreiflich, wenn ihr etwas nicht passt, träumt von der Freiheit und hat trotz mechanischer Körperteile ein sehr großes Herz. Dennoch wird auch sie schwach – natürlich bei dem Prinzen – aber glücklicherweise steht die Romanze nicht so sehr im Vordergrund wie ich befürchtet hatte. Die unbeholfenen Annäherungen zwischen Cinder und Kai sind sogar ganz süß, es wird nie schnulzig oder peinlich erotisch (Danke, Miss Meyer!). Vielmehr liegt der Fokus auf der nicht aufzuhaltenden Plage sowie der kritischen Beziehung zwischen der Erde und dem Planeten Luna.

„I don’t know. I actually don’t remember anything from before the surgery.“
His eyebrows rose, his blue eyes sucking in all the light of the room. „The cybernetic operation?“
„No, the sex change.“

Cinders „beste Freundin“ ist ein Android namens Iko, ein weiblicher Haushaltsroboter, der selbst von Prinz Kai schwärmt und auch gerne mal zu Perlenkette und Lippenstift greift. Es entwickeln sich viele amüsante Dialoge zwischen Iko und Cinder und die kleine Androiden-Dame sorgt für viele humorvolle Momente. (Ich muss allerdings gestehen, dass ich schon immer eine Schwäche für liebenswürdige, eigensinnige Droiden hatte.)

Cinder twisted up her lips. „Do you think it could have a virus?“
„Maybe her programming was overwhelmed by Prince Kai’s uncanny hotness.“
„Oh, for heaven’s sake.“ Cinder yanked off her gloves and tossed them on the table. „You’re not helping.“
„I’m just making conversation.“

Ich weiß immer noch nicht ganz genau ob es an mir und einem spontanen Geistesblitz lag, oder ob Marissa Meyer doch zu sehr mit dem Zaunpfahl gewunken hat, aber nach etwa 150 Seiten waren die Andeutungen um Cinders Geheimnis doch zu offensichtlich für mich, sodass mich die letzten zwei Kapitel, in denen es aufgelöst wird, leider nicht mehr überraschen konnten. Dennoch ist die Handlung spannend und unterhaltsam gestaltet und das ein oder andere Unvorhergesehene passiert glücklicherweise doch noch.

Band 2 kann kommen!

Märchen, Science-Fiction, Dystopie, Romanze, und sogar ein wenig Fantasy – Marissa Meyers Wie Monde so silbern lässt sich nicht einfach in eine Schublade stecken. Die Autorin schafft es, sich spielerisch zwischen den Genres zu bewegen und Themen wie Krieg und Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Verantwortung miteinander zu verknüpfen. Cinder ist eine tolle Protagonistin, die sich im Laufe des Romans weiterentwickelt und versucht, ihren Platz in der Welt zu finden – trotz aller Hindernisse. Der große Showdown beim königlichen Ball (da wäre wieder die Parallele zu Aschenputtel) lässt die Leser mit einem Cliffhanger zurück und macht wirklich Lust auf Band 2.

 

4,5sterne

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