J. R. R. Tolkien – Der Herr der Ringe (illustrierte Ausgabe)

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Anlässlich des 125. Geburtstags von J. R. R. Tolkien am 3. Januar 2017 wurde eine Sonderedition seines Hauptwerks Der Herr der Ringe veröffentlicht. Es handelt sich dabei um eine illustrierte Ausgabe, die 50 Bilder von Alan Lee enthält. Alan Lee ist seit den 1980er Jahren als Tolkien-Künstler bekannt. Er war auch an den Verfilmungen beteiligt und erhielt für seine Designzeichnungen einen Oscar. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Zeichnungen den Darstellungen des Films teilweise ähneln. Die Illustrationen entstanden bereits zum 100. Jährigen Geburtstag Tolkiens, eine deutsche Edition wurde aber erst jetzt realisiert. Die Seitenzahl der Sonderedition liegt bei über 1200, das Format ist etwas größer als gewöhnliche gebundene Bücher. Zur Ausgabe gehört ebenfalls ein Pappschuber.

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Drei Ringe den Elbenkönigen hoch im Licht,

Sieben den Zwergenherrschern in ihren Hallen aus Stein,

Den Sterblichen, ewig dem Tode verfallen, neun,

Einer dem dunklen Herrn auf dunklen Thron

Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.

Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,

Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden

Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.

Zum Inhalt des Fantasy-Epos muss vermutlich nichts mehr gesagt werden. Die Veröffentlichung der Sonderedition war für mich eine gute Gelegenheit, das Werk noch einmal zu lesen. Zu meiner Erleichterung handelt es sich hier um die ältere Übersetzung von Margaret Carroux. Diese neue Version orientiert sich außerdem an der neuesten englischsprachigen Ausgabe aus dem Jahr 2004 und berücksichtigt ebenso Tolkiens eigene Hinweise für eine Übersetzung, die teilweise erst nach der Arbeit von Margaret Carroux veröffentlicht wurden. Carroux verfolgt einen eher altertümlich klingenden Stil. Daneben gibt es noch eine moderne Übersetzung von Wolfgang Krege, dessen Arbeit mir allerdings nicht zusagt. Das Ziel von Krege war es, die verschiedenen Sprachstile, die Tolkien nutzt, auch in der Übersetzung wiederzugeben und nicht, wie Carroux einen einheitlichen Stil zu verfolgen. Der moderne Stil von Krege passt für mich einfach nicht nach Mittelerde. Statt dem vorher üblichen „Ihr“ sprechen die Figuren sich nun mit „Sie“ an und statt des „Herr“ wird nun „Chef“ oder auch schon mal „Chefchen“ verwendet. Eine Zusammenfassung der Kontroverse, die durch die Neuübersetzung ausgelöst wurde, weitere Beispiele, sowie ein Vergleich der verschiedenen Übersetzungen lassen sich hier und hier finden.

Da ich das Buch Der Herr der Ringe davor bereits mehrere Male gelesen habe, wusste ich was mich erwartet. Trotzdem war ich überrascht, dass ich es immer noch so spannend finde und stundenlang darin lesen kann. Denjenigen, die es noch nicht gelesen habe, kann ich nur empfehlen, den Prolog bis zum ersten Kapitel durchzuhalten. Die Prologabschnitte  sind zwar für Kenner des Werks interessant, allerdings nicht unbedingt geeignet, um Spannung aufzubauen. Nach dem Prolog beginnt die eigentliche Geschichte dann im Auenland, wo der Hobbit Bilbo Beutlin damit beschäftig ist, seinen 111. Geburtstag vorzubereiten. Ab hier entfaltet sich die ganze Größe des Epos. Eine Geschichte über Freundschaft, Treue, Verrat, Schicksal und den Kampf zwischen Gut und Böse. Jetzt, beim wiederholten Lesen bin ich erneut beeindruckt, mit welcher Detail Verliebtheit der Autor seine Welt erschaffen hat. Wer die anderen Geschichten von Tolkien kennt, findet eine Unmenge an Anspielungen und Verweisen auf die „Altvorderenzeit“ und die Historie von Mittelerde.

Wo sind Reiter und Ross und das Horn, das weithin hallende?

Wo sind Harnisch und Helm und das Haar, das glänzend wallende?

Wo ist die Hand an der Harfe? Wo ist das lodernde Feuer?

Wo nun Frühling und Herbst und voll reifen Kornes die Scheuer?

Lang vergangen wie Regen im Wald und Wind in den Ästen;

Im Schatten hinter Bergen versanken die Tage im Westen.

Wer wird den Rauch des toten Holzes sammeln gehen

Oder die flutenden Jahre vom Meer wiederkehren sehen?

Für mich ist das Leseerlebnis des Buches ein völlig anderes, als wenn ich die Verfilmungen von Peter Jackson anschaue. Obwohl ich die Filme mehrmals gesehen habe, ist es mir nicht passiert, die Filmbilder beim Lesen vor Augen zu haben, sondern meine eigenen Vorstellungen.

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Die neue Edition wird dem Inhalt absolut gerecht. Die stimmungsvollen Bilder passen gut zum Inhalt und die gesamte Aufmachung der Ausgabe ist sehr gelungen. Auch wenn der Preis mit (momentan) 68€ recht hoch ist, ist es eine gute Gelegenheit für alle, die dieses großartige Werk der Fantasy-Literatur noch nicht besitzen, dies nun nachzuholen und eine lohnende Investition für Sammler und Fans.

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2 Kommentare zu „J. R. R. Tolkien – Der Herr der Ringe (illustrierte Ausgabe)“

  1. Danke für diese Rezsension! Das macht große Lust auf diese schöne Ausgabe und Lust darauf, das Werk erneut zu lesen. Ich fand es als Studentin vor 30 Jahren schon fesselnd, und hatte Sorge nun nach den Filmen nicht mehr in das Geschriebene hineinfinden zu können. Doch die Gefahr scheint ja wirklich nicht zu bestehen.

    Viele Grüße,

    Veronika

    Gefällt 1 Person

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