Anthony McCarten – Licht

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Ein faustischer Pakt

New Jersey 1878: Mit der Erfindung der Glühbirne könnte der Erfinder Thomas Edison die Welt revolutionieren und die Nacht zum Tag machen. Allerdings steht er vor finanziellen Problemen und ist beinahe bankrott. Der überraschende Besuch des Bankiers J. P. Morgan könnte die Lösung sein. Von New York aus will Morgan die gesamten Staaten elektrifizieren und so sein Imperium weiter ausbauen. Dem Plan stehen nur zwei Männer im Weg: Nikola Tesla, Edisons ehemaliger Assistent und George Westinghouse, der behauptet, bereits vor Edison die Glühbirne erfunden zu haben.

In seinem Roman Licht, der sich an wahren Ereignissen orientiert, lässt Anthony McCarten den Erfinder der Glühbirne Thomas Edison und den macht- und geldgierigen Bankier J. P. Morgan aufeinandertreffen. Edison ist ein außergewöhnlicher Mensch. Ohne Schulbildung aber mit großem Verstand entwickelt er zahlreiche Neuerungen, die das Leben maßgeblich veränderten und beeinflussten. Womit er allerdings nicht gut umgehen kann ist Geld. So scheint es eine glückliche Fügung zu sein, dass just zu dem Zeitpunkt an dem seine Werkstatt kurz vor der Pfändung steht, J. P. Morgan ihn besucht und ihm eine Partnerschaft anbietet. Morgans Ziel ist es, von New York aus, die USA zu elektrifizieren. Edison geht auf den Vorschlag ein, nicht ahnend, dass er letztlich viel mehr verkaufen wird als nur seine Glühbirne. Edisons Ideal ist es, mithilfe der Wissenschaft und seiner Erfindungen Gutes zu tun, das Leben der Menschen zu verbessern und nicht damit Reichtum anzuhäufen. Durch den Handel muss er nicht nur seine Ideale aufgeben, sondern setzt ebenso sein Seelenheil und seine Liebe aufs Spiel.

Nichts irritierte ihn mehr als ein Zeitgenosse, der Jahre, ja Jahrzehnte brauchte, um ein Produkt voranzubringen, wenn er selbst binnen eines Augenblicks sah, was daran nicht stimmte, in einer Stunde wusste, wie es sich verbessern ließ, und binnen eines Monats, wie man die Massenproduktion in Gang bringen konnte. Er konnte nicht anders. Er war ein überbordendes Talent, ein Mozart der Maschenwerkstatt und auf seine Weise ein größerer Künstler als Hunderte, die am Washington Square Gemälde verkauften.

Die Ziele des Bankiers Morgan sind völlig andere. In Edison und seiner Erfindung sieht er nur ein weiteres Mittel, um seinen Einfluss und sein Vermögen weiter zu vergrößern. Rücksichtslos benutzt er den Erfinder für seine Ziele. Es geht nicht darum, das technisch bessere Produkt zu verkaufen, sondern das eigene, ungeachtet der Qualitäten. Die Auseinandersetzung zwischen Edison und seinem Konkurrenten Westinghouse um 1890 wird mittlerweile als „Stromkrieg“ bezeichnet. Dabei ging es um die Frage, ob die von Edison geprägte Gleichspannung oder die von Westinghouse bevorzugte Wechselspannung geeigneter wäre, um die USA flächendeckend mit Strom zu versorgen. Ein trauriges Produkt dieses Kampfes ist unter anderem die Entwicklung des elektrischen Stuhls.

Die Themen, die McCarten in Licht vereint, sind altbekannt: Gier, Macht, Neid, Liebe. Gut gelingt es dem Autor die historische Dimension zu vermitteln, so dass es greifbar wird, welche Rolle die verschiedenen Figuren spielen und welchen Einfluss sie vielleicht auch noch auf die heutige Zeit haben. Auf der einen Seite große wissenschaftliche Entdeckungen und auf der anderen Seite Korruption und Raubtierkapitalismus. Edison selbst hat im Roman einen klaren Standpunkt gegenüber dem ungezügelten Kapitalismus:

Und mache keine Religion aus dem Geldverdienen. Sonst siehst du die Menschen aus Fleisch und Blut als etwas, das du ausbeuten kannst wie ein Ölfeld, fällen kannst wie einen Wald. Ich war dabei, als diese Art zu denken sich an der Wall Street breitmachte. Big Business nennen sie es jetzt in den Zeitungen, und ich war dabei, ganz am Anfang, als die Geschäfte zum ersten Mal wirklich groß wurden. Mit den Eisenbahnen hat es angefangen, den großen Fernstrecken, aber das Maß haben sie erst mit der Elektrizität verloren. Und das ist die Wahrheit; wenn man mir etwas vorwerfen kann, dann, dass ich es verharmlose. Die Menschen kannten dieses Ausmaß an Habgier, wie es sich in den sechziger und siebziger Jahren breitmachte, vorher nicht. Damals, junger Mann, habe ich mit ansehen müssen, wie die kleinen Geschäftsleute in Amerika auf die hinteren Plätze verbannt wurden, und dort haben sie seither immer gesessen.

McCarten fokussiert sich zwar auf Edison als Protagonisten, stellt aber ebenso seine Schwächen dar. Dabei wechselt er immer wieder die Zeitebene. Während der größte Teil der Handlung um 1879 in New York spielt, lässt der Autor auch den alten Edison 1929, zwei Jahre vor seinem Tod, zu Wort kommen. Hier zeigt er sich selbstkritischer und reflektiert sein Leben, sowie den Einfluss den er mit seinen Entwicklungen hatte. Der Fokus des Romans liegt eher auf der Darstellung von Ereignissen und Entwicklungen, die häufig bildreich dargestellt werden und vor allem von ihren gegensätzlichen Figuren leben. Was dabei manchmal etwas auf der Strecke bleibt, ist eine tiefere Darstellung der Charaktere.

Aktuelle Themen, mit nur kleinen Schwächen umgesetzt

In Licht beschäftigt sich Anthony McCarten mit dem Erfinder Thomas Edison, dessen Verbindung zu J. P. Morgan und dem umkämpften Beginn der amerikanischen Stromversorgung. Obwohl vielen Lesern der Ausgang des Buches bekannt sein dürfte, bietet es trotzdem Spannung und beschäftigt sich mit Themen und Persönlichkeiten, die bis heute aktuell und einflussreich sind. Schwachpunkt ist fehlende Tiefe der Figuren, was aber aufgrund der positiven Aspekte des Romans zu verkraften ist.

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