Philip K. Dick – Blade Runner

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Eine düstere Zukunft: In Blade Runner entwirft Philip K. Dick eine beängstigende Vision vom Leben auf der Erde und beschäftigt sich mit Fragen der menschlichen Identität. Ein zeitloser Science-Fiction-Klassiker.

Die Welt in der Zukunft: Nach einem Atomkrieg ist die Erde kaum noch bewohnbar. Viele Menschen sind auf den Mars ausgewandert. Auf ihrer Reise zum Mars werden den Menschen Androiden als Schutz zur Seite gestellt. Die auf der Erde verbliebenen Menschen sehen die Androiden allerdings als Gefahr an, weshalb Androiden die Erde nicht betreten dürfen. Sollten sie doch zurückkehren, werden sie von Prämienjägern gejagt. Einer der Prämienjäger ist Rick Deckard. Doch die Arbeit fällt ihm nicht immer leicht. Problematisch ist die Unterscheidung zwischen Androiden und Menschen, was nach und nach dazu führt, dass Ricks moralische Überzeugungen infrage gestellt werden.

Mit dem Roman Blade Runner, der vor der Verfilmung durch Ridley Scott noch Träumen Androiden von elektrischen Schafen? hieß, hat Philip K. Dick einen Klassiker der modernen Science-Fiction geschaffen. Das Buch verbindet gekonnt Spannung, Action und ebenso wichtige wie schwere philosophische Themen. Die Welt von Blade Runner ist düster. Ein Großteil der Geschehnisse spielt in San Francisco. Durch einen Atomkrieg ist die Erde kaum bewohnbar und viele Menschen haben sich bereits auf dem Weg zum Mars oder der Venus begeben, um dort weiter zu leben. Dabei werden sie von Androiden begleitet, für welche künstliche Identitäten und Gedächtnisse geschaffen wurden. Das Verhältnis zu Androiden auf der Erde ist jedoch ein völlig anderes, als in den Weltraum-Kolonien. Die Erde dürfen sie nicht betreten und werden bei Zuwiderhandlung verfolgt und getötet von Prämienjägern. Einer dieser Jäger ist Rick Deckard, ein Anti-Held, der diesen Job vor allem des Geldes wegen macht. Durch den Atomkrieg sind zudem viele Tierarten ausgestorben, weshalb der Besitz eines echten Tieres ein Zeichen für Wohlstand ist und ein nicht zu unterschätzendes Statussymbol darstellt.. Rick und seine Frau können sich allerdings nur ein künstliches Schaf leisten.

Das Problem bei der Jagd nach Androiden ist, sie von Menschen zu unterscheiden. Wie der Leser erfährt, hat sich die Technik immer weiter entwickelt, wodurch die Erkennung immer schwieriger wird. Die neuesten Modelle sind so weit fortgeschritten, dass sie in Teilaspekten weiter sind als ihre Erschaffer: „ der Diener war in mancher Hinsicht klüger geworden als sein Herr.“ Diese Entwicklung ist es, die bei den Menschen Paranoia auslöst und sie fürchten lässt, die neuen Modelle könnten ihnen gefährlich werden. Waren die Androiden zu Beginn der Entwicklung fremdbestimmt, erscheinen sie nun als Wesen mit eigenem Willen, was wiederum mit einem Kontrollverlust für die Menschen einhergeht. Rick soll nun einige Modelle der Nexus-6-Serie zur Strecke bringen, beziehungsweise wie es im Roman euphemistisch heißt: in den Ruhestand versetzten. Die Nexus-6 Modelle unterscheiden sich jedoch rein äußerlich gar nicht mehr von Menschen. Daher kommt der sogenannte Voigt-Kampff-Test zum Einsatz, mit dem emotionale Reaktionen gemessen werden können, womit Androiden überführt werden sollen. Auf Fragen zu Tierquälereien reagieren sie zum Beispiel langsamer. Es macht allerdings nachdenklich, wenn Menschen Androiden aufgrund einer Reaktion, die eine zehntel Sekunde zu langsam ausfällt, sofort töten. Immerhin können Androiden ihre Gefühle klar artikulieren, während die Gesellschaft der Zukunft an Stimmungsorgeln hängt, mit denen sie ihre Emotionen maschinell steuern.

Das Ganze wirkt umso paradoxer im Hinblick auf den Kult des Mercerismus. Mercer, eine Figur im Fernsehen, hatte nach dem Krieg dazu aufgerufen, dass die Menschheit sich auf ihre Gefühle und Empathie rückbesinnen solle. Mord ist hier das schlimmste Vergehen. Die Vorstellung einem seltenen Tier könnte etwas geschehen ist unerträglich. Vernunft- und gefühlsbegabte Androiden dagegen werden ohne große Umschweife beseitigt. So stellt der Roman an vielen Stellen die Frage nach der menschlichen Identität. Dabei kommt auch immer wieder bitterböser Sarkasmus durch. Blade Runner verbindet gekonnt Spannung, Anspruch und regt gleichzeitig zum Nachdenken über philosophische Fragen an. Verpackt ist die Handlung in eine Mischung aus Thriller, Dystopie und Science-Fiction, mit Ideen, die auch knapp 50 Jahre nach der Erstveröffentlichung, nichts an Aktualität eingebüßt haben, sondern gerade in unserer heutigen Welt umso drängender geworden sind mit Blick auf die Entwicklungen der Zukunft. Wie kann ein Mensch wissen, dass er ein Mensch ist? Woher wissen Androiden, dass sie Androiden sind? Diese Fragen beschäftigen sich direkt mit der menschlichen Identität und damit, was eigentlich das Menschsein ausmacht.

Er dachte daran, wie dringend er ein echtes Tier brauchte. Erneut stieg in ihm ein ausgesprochener Hass gegen sein elektrisches Schaf auf, das er versorgen musste und betreuen musste, als sei es ein echtes Tier. Die Tyrannei eines Dinges, dachte er. Es weiß nicht mal, dass es mich gibt. Wie den Androiden fehlte ihm die Fähigkeit, die Existenz eines anderen zu erfassen. Bis jetzt hatte er noch nie über die Ähnlichkeit zwischen einem elektrischen Schaf und einem Androiden nachgedacht. Das elektrische Tier, überlegte er, konnte als unterentwickelte Form des andern betrachtet werden, als eine Art minderwertiger Roboter. Oder umgekehrt, die Androiden konnten als hochentwickelte Form des Ersatztieres gesehen werden. Beide Ansichten widerstrebten ihm. 

Die Zukunftsvision von Philip K. Dick in  ist beängstigend und düster. Mit bösem Sarkasmus spielt der Autor mit moralischen Fragen und dem, was die menschliche Identität ausmacht. Nicht umsonst ist das Werk ein moderner Klassiker, der auch für Leser außerhalb des Science-Fiction-Genres mehr als nur interessant ist. Eigentlich sollte jeder dieses Buch einmal gelesen haben und sich über die damit verbundenen Fragen Gedanken machen.

Das Buch wurde 1982 von Ridley Scott mit Harrison Ford in der Hauptrolle verfilmt. Der Film entwickelte sich mit der Zeit zum Kultklassiker. Teilweise unterscheiden sich Roman und Film deutlich voneinander, weshalb es sich auch lohnt, sowohl die Verfilmung anzusehen, als auch das Buch zu lesen. Im kommenden Herbst kommt eine Fortsetzung in die Kinos, unter anderem wieder mit Harrison Ford und Ryan Gosling. Als Regisseur fungiert Denis Villeneuve (u. a. Arrival).

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2 Kommentare zu „Philip K. Dick – Blade Runner“

    1. Es ist überraschend zu sehen, wieviele Filme/Serien auf Vorlagen von Philip K. Dick basieren. Neben Blade Runner sind wohl die Bekanntesten: Total Recall (1990 und 2012), Minority Report, Paycheck, A Scanner Darkley – Der dunkle Schirm und die Serie The Man in the High Castle.

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