Zitat des Tages: Aus Thomas Glavinics „Die Arbeit der Nacht“

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Eigentlich war er ein Klumpen Fleisch, der sich durch die Welt tastete. Was er über sie wußte, wußte er vor allem durch seine Augen.Durch sie konnte er sich orientieren, Entscheidungen treffen, vermied er Zusammenstöße. Aber nichts und niemand konnte ihm garantieren, daß sie die Wahrheit sagten. Farbenblindheit war nur ein harmloses Beispiel für mögliche Unwahrheiten. Die Welt konnte so aussehen oder anders. Für ihn existierte sie auf eine einzige mögliche Weise, nämlich in der Form, die ihm seine Augen gestatteten. Sein Ich, das war ein blindes Etwas in einem Käfig. Sein Ich war alles, was sich innerhalb seiner Haut befand. Die Augen, sie gehörten dazu – und auch nicht.

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Thomas Glavinic – Die Arbeit der Nacht

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© Deutscher Taschenbuch Verlag

Schlaflos in Wien

An einem Morgen wie jedem erwacht Jonas in Wien. Zunächst ist es ein Tag wie immer: Kaffee zum Frühstück, die Zeitung liegt nicht vor der Tür, was öfters vorkommt. Erst als er im Radio, Fernsehen und Internet keinen Empfang bekommt, beginnt die Irritation. Als er auf die Straße tritt, wird die Ahnung zur Gewissheit – er ist völlig allein. Weiterlesen „Thomas Glavinic – Die Arbeit der Nacht“